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  #36  
Alt 28.02.2010, 11:58
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Standard Tagebucheintrag vom 25.02.2010

Mein kleines Lieselchenentwickelt sich prächtig
die Fütterungen sind der absolute Höhepunkt des Tages



Sie bewegt sich völlig frei im ganzen Haus, wenn es an der Haustür klingelt steht sie vorne und bellt und dreht sich dabei im Kreise vor lauter Freude dass endlich Besuch kommt

heute hatten wir endlich mal wieder Sonnenschein







Unsere ersten Spaziergänge in der Zivilisation hat sie mit Bravour gemeistert, sie freut sich über jeden Hund und Mensch. In der letzten Zeit kommt sie von hinten, stupst einen an und steht am liebsten zwischen den Beinen und freut sich. Lieselchen ist etwas ganz ganz besonderes
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  #37  
Alt 05.04.2010, 12:23
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Standard Tagebucheintrag vom 30.03.2010

Lieselchen hat ihren ersten Urlaub mit Bravour bestanden

sie hat einen Riesenspass gehabt und auch ganz viel gelernt

meine kleine Maus kann jetzt perfekt "Sitz" und auf "Komm" reagiert sie auch spitzenmässig

wir waren fast ganz alleine am Strand und Liesel und unsre Hündin konnten so richtig toben

Liesel freute sich über jeden Hund und Mensch und war glücklich, wenn sie mit fremden Hunden spielen konnte

sie hat sogar angefangen Stöckchen zu transportieren

Und das war auch schön - im Sand sitzen und Leute angucken
Die Fahrt war völlig unproblematisch, beim Ankommen war sie nervös, dass hat sich aber schnell gegeben und sie hat sich sofort ihren Platz mitten in der Wohnung gesucht und alle mussten immer drumherum oder rübersteigen Es war ein rundherum schöner Urlaub und Liesel hat einen ganz grossen Schritt nach vorne geschafft
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  #38  
Alt 14.05.2010, 23:26
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Standard Tagebucheintrag vom 10.05.2010

ich war schon wieder im Urlaub, mir macht das richtig Spass



guckt mal, ich sitze jetzt schon vorne, rechts, das bin ich. Man braucht mich nicht mehr festbinden, ich bleibe ganz brav auf meinem Platz

Wir haben sogar übernachtet und abends bin ich gleich die Treppe ins Schlafzimmer hoch gelaufen, nicht,dass ich vergessen werde, ich will immer dabei sein.

Ich bin sogar alleine immer raus und rein gelaufen und den Vorgarten habe ich auch kräftig mit verteidigt. Ich habe jetzt vier neue Freunde und es hat riesigen Spass gemacht. Ich könnte jedes Wochenende verreisen ganz liebe Grüsse Euer Lieselchen
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  #39  
Alt 17.02.2013, 19:07
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Standard AW: Liesel · Berner Sennenhündin · 4 Jahre alt

Wie ich es schaffte, das Vertrauen einer schwer traumatisierten Vermehrerzuchthündin zu erobern.

Ja, ich bin eine von vielen, die das Schicksal der Vermehrerzuchthündinen sehr bewegt. Bis vor über zwei Jahren ahnte ich noch gar nichts von diesem Elend, bis ich auch auf diese Homepage stieß. Mir war sofort klar, hier muss ich helfen. Zuerst mit Unterschriftensammlungen, Petitionen und Aufklärung. Aber der Wunsch, selbst mal so eine Hündin zu haben, ihr ein schönes zu Hause zu geben, wuchs in mir stetig. So machte ich mich auf die Suche und wurde bei einer Tier Orga fündig. Liesel war ihr Name und ihr Tagebuch verschlang ich förmlich. Ich habe drei Monate mit mir gekämpft, werde ich so einer Hündin gerecht? Bin ich in der Lage, aus ihr einen halbwegs glücklichen Hund zu machen? Dann habe ich mich beworben und am 01.06.2010 konnte ich mit Liesel nach Hause fahren. Ich glaubte, bestens informiert zu sein. Ich habe sämtliche Tagebücher dieser Hunde verschlungen.
Zu Hause angekommen, ließen wir sie erst mal in den Garten zum schnuppern. Sie hatte ihr extra angefertigtes Geschirr an, welches ihre Pflegemutti für sie Maßschneidern ließ. Daran war die Schleppleine, die nun Tag und Nacht am Geschirr befestigt sein sollte, um ihre Individualdistanz einzuhalten. Danach ging es ins Haus. Ja da kam das erste Hindernis, die Haustür. Ich führte sie diskussionslos an der Schleppleine ins Haus, hu, war das ein gewaltiger Schritt für Liesel. Wir gingen ins Wohnzimmer, sie schnupperte ein wenig und legte sich mitten ins Wohnzimmer auf Alex Platz. Es ist ein Rentierfell, das wir immer Rudi nannten. Ich wunderte mich, weil ich damit nicht gerechnet hatte, weil ich ja gelesen habe, dass sich diese Hunde immer einen Platz an der Wand, hinterm Sofa oder in einer Ecke suchen. Nun gut, wenn das ihr Platz sein soll, soll er es sein.










Ja und unser Alex war Centleman, er überlies ohne Theater Liesel den von ihr ausgewählten Platz. Ihr Gesicht und ihr Körper waren sehr verspannt, dass konnte man ihr richtig ansehen. Wir wagten am Abend mit Absprache der Pflegmutti, einen kleinen Spaziergang, um zu sehen, ob sie sich lösen kann. Wir waren baff, aus den Grundstück raus, schüttelte sich die Motte und löste sich. Auch die paar Meter gingen reibungslos, sie schnüffelte sogar. Beim zu Bett gehen ging sie sogar freiwillig mit ins Schlafzimmer, nur durften wir die Tür nicht schließen. Aber wieder legte sie sich nicht in einer Ecke oder an einer Wand, sie platzierte sich mitten im Schlafzimmer.




Ich konnte natürlich kaum schlafen, ich war so aufgeregt und musste doch sehr ausgeglichen wirken. Früh morgens gegen 5:00 Uhr ging ich mit Beiden in den Garten, dass sie ihr Geschäft verrichten konnten. Alex war völlig durch einander. Das machten wir ja nie. Wir gehen immer gegen 8:00 Uhr raus. Aber ich wusste ja nicht, wie lange sie durchhält. Später wagten wir erneut, einen Spaziergang zu machen. Bewaffnet mit unzähligen Leckerchen ging ich mit Beiden los. Ja das Gartentor, welches hinter uns zu plumpste, war die zweite Herausforderung nach der Haustür . Aber dann schüttelte sie sich und los gings. Da sie die ganze Zeit nichts getrunken hatte, kamen wir durch Nachbars Grundstück. Es ist ein altes Bauerngut mit einem eigenen Brunnen. Dort schleckerte sie erst mal ausgiebig. Dieser Brunnen war 4 Monate ihre Quelle zum Trinken, weil sie es einfach nicht geschafft hat, aus einem Napf zu trinken Wir waren ungefähr eine Stunde unterwegs, ich habe nur gestaunt. Sie schnüffelte interessiert, löste sich und hatte Freude am Laufen. Wieder war ich baff. Dann gab es Futter. Oh je, sie hatte Hunger, aber traute sich nicht. Sie hatte Hunger, aber irgendwie war es für sie zuviel. Ich setzte mich auf den Boden, tunkte den Finger in den Napf und drehte mich um, dass ich sie nicht ansah. So langsam kam sie Richtung Napf. Den Kopf weit nach vorn, die Vorderbeine wie ein Winkel nach hinten. Sie schnappte sich ein paar Brocken und drehte Runden über Runden, bis sie sich zum zweitenmal traute. So ging es weiter, bis der Napf leer war. Dann sind wir ins Haus an der Leine. Ich habe gemerkt, dass sie im Freien einfach zu abgelenkt war, um zu fressen. Ich habe dann nach einiger Zeit und Tests, nur noch in der Küche gefüttert, genau neben Alex. Da fand sie einwenig Ruhe, um zu futtern. Auch heute fressen die Hunde nur in der Küche, wie gewohnt, Napf an Napf. Auch das ist ein fest eingebautes Ritual in unserem Tagesablauf.
Ging es aus dem Haus, konnte man die Tür wirklich erst öffnen, wenn man komplett angezogen war. Beim Öffnen der Haustür schoss sie förmlich hinaus, dass man aufpassen musste, dass man das Ende der Schleppleine auch gut festhielt. So haben wir jeden Tag dass Gleiche gemacht, dass sie Sicherheit bekam. Auch wurde es nach 2 Tagen schöner und wir konnten sie im Garten draußen lassen. Ich erledigte fast alle meine Arbeiten im Garten, dass sie die Möglichkeit hatte, mich genauestens zu beobachten. Sie betrat nicht einmal am Tag das Haus, sie blieb immer nur im Garten.









Gegen Abend haben wir sie immer ins Haus geholt. Jedes Mal wieder war die Haustür eine Herausforderung für sie.
Es hat anderthalb Woche gedauert, bis sie allein auf mich zaghaft zukam. Die Freude war riesengroß. Wenn wir im Wohnzimmer gingen, ging sie auf ihren Rudi und bewegte sich keinen Zentimeter von der Stelle. Wenn ein Geräusch kam, was sie nicht zuordnen konnte, stand sie auf und drehte Runden, aber nur auf dem Rudi. Mir kam es so vor, als würde sie denken, wenn sie daneben tritt, dass sie abstürzt. Das tat so weh. Aber diese kleine Distanz hatte sie wahrscheinlich auch in ihrem Verschlag, sie kannte wohl keinen größeren Radius.
Wir haben kleine Rituale eingeführt, dass Liesel Sicherheit bekam, wie z, Bsp. Ich ziehe mich an, dann öffne ich die Tür zum Garten, nach der Frührunde gab es Frühstück, dann war Zeit , dass sie sich sammeln und sortieren kann, dann war Beschäftigung mit Joghurtsnack an der Reihe, Mittagsspaziergang, danach gab es was zu Knabbern, wieder Ruhezeit, dann Abendspaziergang, danach Abendessen und wenn es schon einwenig finster war, noch eine kleine Runde vor dem Schlafengehen. Für Liesel musste und muss heute noch jeder Schritt vorhersehbar sein, nur so bekommt und bekam sie Sicherheit. So nach 2- 3 Wochen passierte etwas Unglaubliches, was unser weiteres Leben bestimmte. Immer mittags machte ich mit Alex Klickertraining oder Suchspiel, egal was. Liesel schaute immer nur zu, und das war gut so, so konnte sie mich kennen lernen. Sie merkte an meiner Stimme, wenn ich mich freute und die Freude erkannte sie natürlich auch an der Körpersprache von Alex, wenn er alles richtig gemacht hat und sich freute. Ich glaube wirklich, sie hat mich genau inspiziert, wenn meine Stimme weich ist, wenn ich freudig und vielleicht auch mal ärgerlich bin, wenn Alex was machte, was er besser nicht machen sollte. Auf jeden Fall lag Alex auf den Boden und ich sah’s. Wir trainierten gerade das Kopfschütteln und das Nicken. Auf einmal gesellte sich Liesel zu uns. Und jedes Mal wenn Alex etwas richtig gemacht hat und das Klickgeräusch ertönte, bekam Liesel auch ein Leckerli, was sie vorsichtig annahm. Ich weiß gar nicht was mit mir los war, so eine Wahnsinnsfreude. Wir beendeten unsere Beschäftigung und so begann ich am nächsten Tag, neben Alex, den ich einfach zur Sicherheit brauchte, mit ihr das Klickgeräusch zu üben. Es hat funktioniert. Sie machte, wenn auch zaghaft, mit. Diese Übung war der Grundstein für unsere weitere gemeinsame Arbeit. Sie fand so langsam Gefallen daran, einfach mittendrin zu sein, wenn wir übten. Das Nächste, was ich in Angriff nahm, war das Bettlaken. Für Alex habe ich ein Bettlaken, das ich zusammen rüffle und in den Ritzen kleine Leckerchen verstecke. Liesel schaute zu, doch viel zu groß war ihre Angst vor dem bösen großen Tuch. Also holte ich einen kleinen Waschlappen und legte auf dem Waschlappen Leckerchen. Ich beugte mich über den Waschlappen und tat so, als würde ich schnüffeln. Ja und sie begann auch zu schnüffeln, aber ganz vorsichtig. Suchte sie im Freien schon fleißig mit, gut sichtbar an Sträuchern oder Steinen,












gestaltete sich das Suchen im Haus sehr schwierig. Ich weiß nicht wie lang ich den Waschlappen als Trainingsinstrument benutz habe, aber wir haben es dann gesteigert, Aus dem Waschlappen wurde ein kleines Handtuch, dann ein größeres Handtuch, ein Badetuch bis sie mit Alex gemeinsam im Bettlaken schnüffelte, und das ist heute noch für sie der Jackpot.








Nächste Stresssituation. Alex hatte auch eine Wühlkiste, in dem sich zerknülltes Papier befand. In dem Papier versteckte ich Leckerchen, die Alex suchen sollte. Liesel hatte doch so dolle Angst vor der doofen Kiste. Also überlegte ich mir, wie ich Liesel bewege, auch mal mit in die Kiste zu schnuppern, Ich knüllte ein wenig Zeitungspapier, versteckte gutriechende Wurst darin und legte es vor ihre Pfötchen. Vorsichtig, ach was schreibe ich, übervorsichtig traute sie sich an das knisternde Papier, um an die Köstlichkeiten zu kommen. Dies steigerten wir jeden Tag ein bisschen mehr, also etwas mehr Papier, dann das Papier in der Nähe des Kartons bis wir eines Tages die ersten Leckerchen in der Kiste legen konnten. Nach vielen Wiederholungen an den kommenden Tagen und Wochen flog dann schon mal ein kleines Stückchen Papier über den Rand, so „dolle“ hat Liesel im Karton „ gewühlt“. Der nächste Versuch, ihre Sinne zu fördern, war der Teppich. Ich hatte für Alex einen langen Streifen eines alten Teppichs, den er immer ausrollen musste. Mir war klar, sowie ich es mit Alex gelernt habe, ging es bei Liesel lang noch nicht. Also die einfachere Methode. Beim Zusammenrollen legte ich immer wieder Leckerchen in den Teppich. Liesel hat ja nun über Wochen schon gelernt, dass man nach den Dingern suchen muss. Sie traute sich ganz vorsichtig an den Teppich, wo bereits ein gut sichtbar liegendes Stückchen Käse befand. Schnell schnappte sie danach. Gut dass sie das Training bei Alex beobachtet hat und sie stupste tatsächlich an den Teppich und er rollte sich einwenig aus und wieder lag da ein Stück vom leckeren Käse. Natürlich beendete ich gleich das Training, dass Liesel mit Erfolg aus der Trainingseinheit heraus ging. So steigerten wir täglich den Teppich, bis er eines Tages ausgerollt war. Ich muss ehrlich zugeben, es hat mir ganz schön viel Geduld gekostet, da ich ja ein ganz anderes Lerntempo von meinem Alex gewohnt bin, aber der Weg ist das Ziel. Mittlerweile trug Liesel auch keine Schleppleine mehr im Haus und im Garten, sondern nur eine kleine dünne Leine. Diese Leine diente nach wie vor, Liesel nicht zu bedrängen, wenn wir raus und rein gehen wollten und sie durch die Tür musste. Das Geschirr trug sie 24 h. Erst nach drei Monaten entfernten wir es im Haus.
Natürlich darf ich nicht vergessen, dass wir 9 Wochen nach Ankunft von Liesel in den Urlaub gefahren sind. Ich hatte erst Zweifel aber ich wusste, dass sie schon mit der Pflegemutti für ein paar Tage an der Nord- und Ostsee war. Etwas mulmig war mir schon, denn es sollte nach Dänemark gehen. Die Fahrt war so was von relaxt, die knapp 1000 km














war sie völlig entspannt. Natürlich war sie erst mal wieder sehr aufgeregt, als wir unser Ferienhäuschen besichtigen. Wieder ein Wechsel in so einer kurzen Zeit. Aber als wir an den Strand gingen, war sie überglücklich. Es war ein richtiges Sommermärchen. Sie war so glücklich, viele Hunde, die Weite am Strand. Ein richtig kleines glückliches Hündchen. Sie schmierte sich um unsere Beine,
machte Feel Goods,










es war einfach herrlich mit an zu sehen. Unser Urlaub war wieder ein Meilenstein in unseren Zusammenleben, welcher unsere Beziehung zueinander gefördert hat.
Ich weiß noch, Mitte September, beide waren im Garten, kam an unserem Grundstück, welches sich genau an einer Bundesstraße befindet, ein Motorrad vorbei. Auf einmal gab es einen lauten Knall und beide standen zusammen in der Küche. In diesem Moment hat Liesel das erstemal alleine die Haustür geschafft und seitdem ging sie alleine durch diese verflixte Tür. Natürlich muss ich erwähnen, sie schoss die nächste Zeit förmlich durch die Tür. Aber sie hat die Lernerfahrung gemacht, auch wenn ich alleine ohne Frauchen durch diese Türe gehe, tut mir die Tür gar nix. Ja, manchmal helfen eben auch die Zufälle zur Verknüpfung.
Nun begannen wir auch, Ausflüge in die nähere Umgebung zu machen. Klar, die ersten paar hundert Meter war sie natürlich sehr aufgeregt und immer wenn Liesel kein Leckerchen nimmt, wusste ich, dass soviel Spannung in ihr war, dass sie keins von den Dingern nehmen kann. Aber wenn sie den Punkt erreichte, wo die Angst immer kleiner wurde, war sie dann richtig entspannt und hat geschnüffelt wie wild. Es ist auch heute noch so, dass Liesel an Orten, die ihr unbekannt sind, erst einwenig braucht, um sicher zu werden. Wir haben viel trainiert, sind viel in andere Umgebungen gefahren, sei es sogar ins Krankenhaus, wo mein Enkelchen lag, ins Zentrum von einer Großstadt und vielen verschiedenen Orten und Gegenden.











Aber auch das Spieltraining haben wir immer fest in unserer täglichen Arbeit mit eingebaut.
Apportieren tut sie heute sehr gern. Ich habe angefangen, an einer Reizangel Wurststückchen zu befestigen. Sie ist sehr vernascht, das ist unser großes Glück, denn mit Futter kann man sie prima motivieren. Dann kam der Futterbeutel an die Angel und heute fängt sie den Beutel















Auch das Doc Dance haben wir weiter fleißig geübt. Zuerst haben wir das Handtarket gefestigt, die Grundbasis in dieser Sportart. Der Hund muss die Hand berühren und später der Hand folgen mit den Wort „Thatch“. Dann haben wir den Slalom vorwärts einstudiert, das Handtarket als Vorlage.



Ein weiteres Training war das „ Hellsehen“. Liesel muss Gegenstände wie Bäume, Parkbänke, meine Schuhe oder Tarkets erraten lernen. Man nutzt dabei die hündischen Instinkte, wenn man einmal seine Hunde beobachtet, ein Hund hat eine Schnupperstelle, der nächste rennt mit hin. Und genau das mache ich mir zu eigen. Ich schau etwas instinktiv an und die Hunde müssen genau das mit der Pfote oder der Schnauze berühren, was ich gerade anschaue.




Das macht Beiden immer riesig Spaß

Natürlich haben wir auch Holzintelligenzspiel eingeübt, aber das passiert noch recht vorsichtig. Die Holzscheibe ist ihr noch etwas suspekt










Auch waren wir 2011 wieder in Dänemark im Urlaub








Ich hätte nie geglaubt, als Lieselchen zu uns kam, dass wir solche Erfolge erzielen. Ein großer Helfer war und ist unser Alex. Er hat sie sprichwörtlich an die Pfötchen genommen. Er hat einfach alles richtig gemacht und heute geht er förmlich durchs Feuer für seine Liesel. Er hat immer ein Auge auf sie, er hat ihr gelernt, dass Menschen auch lieb und zärtlich sein können, indem er sie immer mitgerissen hat, wenn uns Leute begegnet sind und die Hunde streicheln wollten. Er hat ihr gelernt, wenn Frauchen quatsch, hat man sich brav hinzulegen, er hat ihr gelernt, dass sie warten muss, bis sie an der Reihe ist mit dem Spielen, er hat ihr auch gezeigt, wie man ein kleinwenig frech sein kann und manchmal ist sie es, aber das darf sie auch. Ich danke meinem Alex, für all das, was er geleistet hat und noch heute leistet. Er ist ein wunderbarer Hund und für Liesel der beste Freund. Natürlich ist Liesel noch lange kein normaler Hund, bei Gewitter, am Silvester oder wenn irgendwo Schüsse fallen, hat sie nach wie vor riesengroße Angst, dass man sie nur schwer beruhigen kann. Auch Sturm bringt sie, wenn sie im Garten ist, völlig aus der Bahn, da hilft nur eine Reizminimierung , indem man sie ins Haus holt, nur außerhalb des Grundstückes macht ihr der Sturm gar nichts aus. Liesel führte 5 Jahre ihres Lebens ein Leben in Begrenzung, dass kann sie nicht abstellen, denn zu viel Schlimmes ist in der Vermehrerhölle passiert. Immer werden alte Verknüpfungen hervorgerufen, wie schnelle Armbewegungen, die nun unbewusst im Alltag mal passiern, Schüsse, die sie erinnert an die Schüsse, die in der Hölle wohl fast täglich erklungen, wenn die Vermehrer kranke und nicht mehr produktive Gebärmaschinen ausrangierten. Nur wenige dieser Hunde haben je die Chance, einmal richtig in Freiheit leben zu dürfen.
Das Türenproblem haben wir nun Gott sei Dank in den Griff bekommen. Auch das ist eine Verknüpfung aus der Vermehrerhölle gewesen. Dort werden die Hunde zwischen den Verschlägen fixiert und dann die Türen mit voller Wucht zu geknallt. Somit lernt der Hund, Türen gleich Schmerz und deshalb haben diese Hunde so eine große Angst vor Türen.
Seit gut einem halben Jahr kann ich Liesel an alle Stellen ihres Körpers berühren und bürsten. So lange hat es gedauert, bis sie es zuließ, auch ihre Innenbeinchen zu bürsten, sowie die Halspartie. Zu meinem Erschrecken musste ich vor kurzen feststellen, das sie im Halsbereich eine Verwulstung hat. Nach Recherchen kam heraus, dass die Hunde in dieser Riesenmassenzuchtanlage schon im Jugendalter eine Stahlschlinge um den Hals bekommen, die dann auch ins Fell einwächst. An diesen Stahlschlingen werden die Hunde förmlich angehackt an einem langen Holzstab mit einem Haken dran und zum Deckakt geführt. Das ist eine „ Sicherungsanlage“ für den Vermehrer, dass er nicht gebissen wird, wenn eine Hündin vor lauter Angst um sich beißt. Auch durfte ich ihre Pfötchen nicht berühren am Anfang, weil auch diese beim Deckakt, wenn die Hündinnen nicht willig sind, mit Drahtschlingen fixiert werden. Lange hat es gedauert, bis sie die ersten zärtlichen Berührungen an den Pfoten zuließ. Doch als das Vertrauen gewachsen war, konnten wir sie auch da streicheln. Ihr fiel es sichtlich schwer, als wir das Pfötchen geben trainiert haben, ihr Pfötchen mir entgegen zu reichen. Wir haben ca. ein halbes Jahr gebraucht, dass sie ihr Pfötchen uns heute gerne entgegen streckt. Ich habe angefangen, nur die Handfläche unter ihre Pfote zu legen, als ich merkte nach vielen Wiederholungen, das sie es genießt, habe ich angefangen, es einwenig anzuheben und das Kommando „Pfötchen“ zu geben. Allmählich haben wir es gesteigert bis sie eines Tages mir freiwillig ihr Pfötchen reichte. Immer wieder habe ich das freiwillige Pfötchengeben mit einem Leckerchen bestätigt, solange, bis sie auf das Wortsignal meinerseits reagierte. Heute macht der kleine Schelm es mit großer Freude und bei jeder Gelegenheit.
7 lange Monate hat es gedauert, dass Liesel sich traute, ihre sichere Insel, das Wohnzimmer zu verlassen und in mein Büro kam. Fast 5 Monte hat es gebraucht, ehe ich die Tür vom Wohnzimmer zum Schlafzimmer schließen konnte, dabei habe ich den Türenspalt jeden Tag um Zentimeter verkleinert
Ich habe auch eine Tierheilpraktikerin aufgesucht, die Liesel an Hand einer Bioresonanzanalyse untersucht hat.





Dabei kam heraus, dass Liesel Vitamin D- Mangel hat, da sie 5 Jahre kein Sonnenlicht abbekommen hat. Weiterhin wird eine Inkontinenz auftreten, da ihre Schließmuskeln schlaff sind durch die vielen Geburten. Aber momentan ist noch nichts davon zu merken. Sie hält locker 11 h aus. Ihre Nieren sind auch angegriffen, auch ein Verdienst des Vermehrers, der die Hunde auf blanken Beton im eigenen Kot und Urin dahin vegetieren lässt. Ihr Nickhautvorfall an den Augen ist auch ein Zeugnis ihres schweren Traumas, dass sie in der Vermehrerhölle erlitten hat. Auch ihr Gangwerk lässt zu wünschen übrig. Sie konnte sich 5 lange Jahre nicht bewegen in ihren kleinen Verschlag. Schon in ihrer Pflegefamilie wurde mit Physiotherapie an einen Muskelaufbau gearbeitet. Trotz ihrer deformierten Knochen läuft Liesel sehr gern und nimmt stets an unseren Unternehmungen sehr gern teil. Liesel muss ihr Leben lang von einer lieben Hundephysiotherapeuten betreut werden. Seit ca. 2 Wochen fing Liesel auch an, sich zu putzen. Das hatte sie vorher noch nie gemacht, zuviel Gewalt wurde ihr angetan. Ich vergleiche dies immer mit einer Frau, die vergewaltigt wurde. Viele dieser Frauen haben entweder einen Waschzwang oder sie verstümmeln sich. Und Liesel hat wohl ihren Körper auch nicht gemocht, aber sie fängt an, sich für ihn zu interessieren.
Es lasten so viele Narben an ihrem Körper und an ihrer Seele. Alles werden wir wohl auch in Zukunft nicht ganz beseitigen können, aber wir helfen ihr stetig, neue Lebensqualität zu erlangen. Alles was in unserer Macht steht, ob medizinische Versorgung und Kontrolle durch unserer Tierheilpraktikern, einen geregelten Tagesablauf ,Bewegung, Kopfarbeit, gesunde Ernährung und ganz viel Liebe und Verständnis, tragen hoffentlich dazu bei, dass sie noch viele Jahre auf ihre Art unbeschwert leben kann.
Sie hat mich Anfang März auch schon zu einem dreitägigen Seminar begleitet, dass sie mit Bravour absolviert hat. Hier wurde auch festgestellt, dass Liesel im Umgang mit anderen Hunden sehr unsicher ist. Sie braucht keine anderen Hunde mehr, was sie braucht zum glücklich sein, ist ihr Alex und ihre Menschen. Darüber freuen wir uns ganz besonders, dass wir der Mittelpunkt ihres Lebens geworden sind




Ich möchte mich auch auf diesem Wege bei allen bedanken, die es mit ermöglicht haben, dass Liesel ein neues Leben beginnen konnte. Bei den Tierschützern, die Liesel gerettet haben, der Pflegemutti, wo Liesel 10 Monate ein Leben ohne Schmerz und in Liebe , mit der besten medizinischen Versorgung, genießen konnte. Ein Dankeschön auch an meine Familie, die es mir ermöglicht hat, mit Liesel intensiv arbeiten zu können und die sie in unserem „ Rudel“ herzlich willkommen hieß. Auch an alle Verhaltenstherapeuten, die mir geholfen haben ein dickes Dankeschön. Nicht zu vergessen meine Tierheilpraktikerin, die zu jeder Zeit sich um die Sorgen und Wehwehchen meiner Hunde rührend kümmert. Auch meiner Hundephysiotherapeutin ein herzliches Danke für die ihre Arbeit und ihr Verständis, dass Liesel immer nur in ihrer gewohnten Umgebung behandelt werden kann.
Aber das größte Dankeschön gehört wie schon geschrieben, meinen Alex.
Nun hoffe ich, dass ich vielen Menschen Mut gemacht habe, so einem ganz besonderen Hund, und das sind sie, ihnen ein neues zu Hause zu geben. Diese Hunde machen richtig glücklich. Was man mit Ihnen erlebt, steht in keinem Buch geschrieben.
Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es dieses Tierelend nicht mehr geben wird. Aber dieser Weg ist noch lang und bedarf ganz viel Aufklärung.

Es grüßen alle Alex und Liesel

  #40  
Alt 06.05.2015, 14:01
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Standard AW: Liesel · Berner Sennenhündin · 4 Jahre alt

Liesel ist in Liebe eingeschlafen.




Mit diesen warmherzigen Worten möchte sich Liesels Familie von ihrer Seelenhündin verabschieden.

2004- 29.04.2015

Vom Aschenputtel zur Cinderella

Am 02.07. vor 6 Jahren hat sich für dich, mein liebes Lieselchen, die Tür zur Freiheit
geöffnet.
Da standest du vor 6 Jahren, die Schuhe viel zu groß (Seele) und einem Koffer, wo nur Leid steckte. Das Leid bestand in einer vergrößerten, entzündeten Gebärmutter, starken Nickhautvorfall auf beiden Augen, Würmer, Giargien, Milben, Flöhe, schwarze abgewetzte Zähne, beidseitig schwere HD, schwere Arthrose, Spondylose, eine traumatisierte Seele und ein kaputtes linkes Kniegelenk. Du warst fast verhungert und ausgetrocknet, dein Fell war so verwahrlost, dass du schrecklich aussahst und fürchterlich gerochen hast.
Die Schuhe haben wir fast passend gemacht, nur noch eine kleine Sohle lag darin, aber damit konntest du trotzdem prima durchs Leben stiefeln. Den Koffer konnten wir leider nicht ganz auspacken, denn dein Knie, die beidseitige schwere HD, Spondylose, deine Seele und die schwere Arthrose mussten wir akzeptieren und versuchten sie zu lindern.
Du wohntest in einem kleinen „Schloss“, das du mit uns geteilt hast. Und selbstverständlich hattest du einen Traumprinzen gehabt, deinen Alex, mit dem du gekuschelt hast, der dir deine Ohren und die Maulwinkel geschleckert hat, mit dem du sprichwörtlich durch dick und dünn gegangen bist.
Außer Futtern liebtest du die Beschäftigung, tricksen, chappen, Suchspiele.
Täglich warst du mit in meinem Büro, hast die Kundschaft und Angestellte freundlich begrüßt und
„ Eindringliche“ verbellt.
Du bist für dein Leben gern in den Urlaub gefahren, ob an den Strand oder in die Berge, Hauptsache mit dabei und es gab was zu erleben.
Wir haben hoffentlich dir all deine Träume erfüllt, die dich zu einem zufriedenen, ausgeglichenen und fröhlichen Hund gemacht haben.

Du durftest 11 Jahre alt werden, am 01.06. wären es 5 Jahre bei uns gewesen. Viel zu kurz für uns.
.
Du hinterlässt hier eine Leere, die kaum auszuhalten ist. Alles erinnert uns an dich. Dein Bettchen, dein Wägelchen, deine Fröhlichkeit, deine Zufriedenheit, deine Bescheidenheit, dein Grunzen, wenn du dich gefreut hast, dein Schmierli, alles, einfach alles fehlt hier. Meine Tränen kann niemand trocknen, den Kummer kann nichts verdrängen, deine Präsenz ist noch so stark.

Niemals werden wir dich vergessen, immer in unserem Herzen haben. Wir lieben dich so sehr, kleine Cinderella.

Wir wünschen dir für das Leben über der Regenbogenbrücke viel Glück, dass du uns ab und zu ein Zeichen sendest, dass wir wissen, dass es dir gut geht.

Leb wohl kleine Liesel und irgendwann sehen wir uns wieder, ganz bestimmt und dann setzen wir unser Märchen fort.

Deine Mama, Papa und Alex
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